Persönlichkeitsstörungen

We need love not pain – Wir brauchen Liebe und keinen Schmerz.

 

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen haben keine Störung der Persönlichkeit - sie haben lediglich ein stereotyp ungünstiges interaktionelles Verhalten auf der Basis negativer Selbstschemata, negativer Grundannahmen, negativer Überzeugungen.

Kowarowsky, 2015, S.56

 

Essenz einer Persönlichkeitsstörung

1. Eine Person hat eine ungünstige Annahme von sich selbst, z.B. „Ich bin nicht wichtig“.

2. Daraus zieht sie eine Konsequenz, z.B. „um Aufmerksamkeit zu erlangen, muss ich andere aktiv dazu veranlassen, mich wahrzunehmen“.

Die Person entwickelt unoffene, manipulative Strategien, um dieses Ziel zu erreichen.

Sachse, 2006, S. 12

 

Persönlichkeitsstörungen entstehen in der Biographie einer Person als „Lösung“ für schwierige Interaktionssituationen. Daher sind Persönlichkeitsstörungen als normale psychische Prozesse aufzufassen, die aber leider zu kostenintensiven, dysfunktionalen Lösungen führen.

Sachse, 2006, S. 13

 

Klienten mit Persönlichkeitsstörungen nehmen oft wahr, dass sie hohe Kosten haben. Sie haben ständige Interaktionsprobleme, Konflikte, Stress am Arbeitsplatz, oder gesundheitliche Einbußen. Sie erkennen aber selten, dass diese Kosten durch ihre eigenen Schemata und Verhaltensweisen entstehen. Daher wissen sie oft nicht, dass sie „ein Teil des Problems sind“ und sie wissen deshalb auch oft nicht, wo sie ansetzen sollen, um das Problem zu lösen. Sie machen daher zumeist andere Personen oder Umstände für ihre Probleme verantwortlich, wodurch sich das Problem auch nicht ansatzweise lösen lässt.

Sachse, 2006, S.23

 

Die Therapie der Persönlichkeitsstörung besteht darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner berechtigten Beziehungsmotive und seiner wirklichen Wünsche an den anderen bewusst zu werden. Die Therapie der Persönlichkeitsstörung besteht auch darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner Grundannahmen bewusst zu werden – über sich selbst und die anderen.

Der Therapeut hilft dem Patienten dabei, die "Spiele" kennenzulernen, mit denen er die Beziehung zu anderen belastet, und er hilft ihm dabei, neue Wege zu gehen, um wieder befriedigendere Beziehungen zu sich selbst und anderen aufbauen zu können.

 

Von einer Persönlichkeitsstörung sollte jedoch nur dann gesprochen werden,

  1. Wenn die betreffende Person selbst unter ihrer Persönlichkeit leidet 
    Und / oder
  2. Wenn die Persönlichkeitsbesonderheit das Risiko der Entwicklung oder neuerlichen Verschlimmerung einer psychischen Störung beinhaltet, wenn also die Gefahr besteht, dass sich daraus z.B. eine Depression entwickelt, die Person an Suizid denkt oder dissoziiert, also immer wieder “neben sich steht“
    Und / oder
  3. Das psychosoziale Funktionsniveau so verändert ist, dass Konflikte mit Ethik, Recht oder Gesetz entstanden sind.

Nach Fiedler, 2007 S. 34

 

Ansonsten handelt es sich lediglich um Persönlichkeitsstile oder sogenannte akzentuierte Persönlichkeiten.

 

Die bekanntesten Persönlichkeitsstörungen sind:

 

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Mangel an Empathie und Überempfindlichkeit bei Kritik.

 

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Oberflächlich und emotionalisierend, liebt es im Mittelpunkt zu stehen.

 

Dependente Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Ein tief greifendes und überstarkes Bedürfnis, versorgt zu werden, das zu unterwürfigem und anklammerndem Verhalten und Trennungsängsten führt.

 

Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Schüchternheit und fehlende soziale Kompetenz. Zeigt Zurückhaltung in sozialen Beziehungen aus Angst vor Kritik, Nichtzustimmung oder Zurückweisung.

 

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Passiv, widerständig und aggressiv. Grundeinstellung: „Was ich will, das kriege ich nicht, was ich kriege, das will ich nicht!“ Typische „Ja, aber“-Haltung.

 

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Soziale Isolation, Einsamkeit. Legt keinen Wert auf enge Beziehungen einschließlich Familienzugehörigkeit.

 

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Fanatisch, querulatorisch, rechthaberisch. Der Patient vermutet ohne ausreichende Grundlage, dass andere ihn ausnützen, schädigen oder täuschen könnten.

 

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Rigidität und starrer Perfektionismus, der die Erfüllung von Aufgaben behindert.

 

Depressive Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Dauerhaft hoffnungslos und selbst abwertend.

 

Borderline-Persönlichkeitsstörung 

Kernmerkmal: Identitätsstörungen, Störungen der Affektkontrolle, Schwarz-Weiss-Denken. Heftiges Bemühen, reales oder vorgestelltes Verlassenwerden zu vermeiden.

 

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Soziales Unbehagen, Verzerrungen im Wahrnehmen und Denken. Seltsames Denken und Sprachverhalten: Das Verhalten oder die Erscheinung (das Auftreten) sind seltsam, exzentrisch oder »komisch«.

 

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Fehlende Schuldgefühle, Störungen der Impulskontrolle. Mangelnde Empathie, das Ignorieren von sämtlichen sozialen Regeln.

 

Empfehlenswerte Bücher zum Verständnis von Persönlichkeitsstörungen:

  • Arntz, A., van Genderen H.: Schematherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung. Beltz, Weinheim, 2010
  • Beck, A.T., Freeman, A.: Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen. Beltz, Weinheim, 1999 
  • Behary, W.: Der Feind an Ihrer Seite. Junfermann, Paderborn 2009
  • Bohus, M.: Borderline-Störung. Hogrefe, Göttingen 2002
  • Bohus, M., Wolf,M.: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten. Schattauer, Stuttgart 2009 
  • Fiedler, P., Herpertz, S.: Persönlichkeitsstörungen. Beltz, Weinheim, 2016
  • Kowarowsky, G.: Der schwierige Patient - Kommunikation und Patienteninteraktion im Praxisalltag. Kohlhammer. Stuttgart 2011
  • Kowarowsky, G.: Individualisierte Burnout-Therapie (IBT) – Ein multimodaler Behandlungsleitfaden, Kohlhammer 2017
  • Lammers, C.-H.: Psychotherapie narzisstisch gestörter Patienten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Lelord, F.; André Chr.: Der ganz normale Wahnsinn. Vom Umgang mit schwierigen Menschen. Aufbau Verlag, Berlin 2011
  • Sachse, R.: Persönlichkeitsstörungen: Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie. Hogrefe, Göttingen 2013
  • Sachse, R.: Persönlichkeitsstörungen verstehen - zum Umgang mit schwierigen Klienten. Psychiatrie-Verlag, Köln 2014
  • Szomoru, S: Borderline brach Herz. Hilfe zur Trennungsverarbeitung für Borderline-Partner. Starks-Sture Verlag München 2005
  • Trautmann, R.-D.: Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen und problematischen Persönlichkeitsstilen. Klett-Cotta, Stuttgart 2009

 

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie auch auf 

www.stoerung-der-persoenlichkeit.de.