Praxis für Psychotherapie Gert Kowarowsky, Bipolare Erkrankungen

Bipolare Erkrankungen

 "Himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt ..."

 

Bipolare affektive Störungen, auch bekannt als manisch depressive Erkrankungen, werden zwar treffend, aber nur unvollständig mit diesem geflügelten Wort wiedergegeben.

"Bi-polar" heisst: Zwei extreme Pole des Erlebens, Fühlens, Denkens und Handelns treten bei diesen Erkrankungen im Wechsel auf.

 

Man spricht von bipolaren Störungen in der Mehrzahl, weil der charakteristische Wechsel von Depression und Manie bei dieser Erkrankung in unterschiedlichen Mustern ablaufen kann.

Prinzipiell sprechen wir von einer bipolaren affektiven Störung, wenn wiederholte Episoden von deutlich gestörter Stimmungslage und Aktivität aufgetreten sind. Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt: Wenigstens zweimal wurde eine deutlich gehobene Stimmung, vermehrter Antrieb und vermehrte Aktivität erlebt im Wechsel mit deutlich gesenkter Stimmung, vermindertem Antrieb und verminderter Aktivität.

 

Wir unterscheiden bei der manisch-depressiven Erkrankung Phasen der Depression und Phasen der Manie.

 

Die Phasen der Depression sind gekennzeichnet durch

  • Gefühle der Traurigkeit – "zu Tode betrübt"
  • Gedanken der Wertlosigkeit, Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit ("Ich bin schlecht, die Welt ist schlecht, die Zukunft wird niemals wieder Besseres bringen")
  • Verhalten des Rückzugs und der Passivität
  • Körperliche Beschwerden wie Müdigkeit, Verlust der Lust auf Lust, Schmerzen und Antriebslosigkeit


Die Phasen der Manie sind gekennzeichnet durch

  • Gefühle des Highseins, Total-gut-Draufseins, eben "himmelhochjauchzend", aber auch leicht umkippbar in Gereiztheit
  • Gedanken der "Unbesiegbarkeit", rasende Planungsgedanken, die an kein Ende kommen
  • Verhalten, geprägt von Hemmungsverlust, unangemessenen hohen Geldausgaben, schnellem, aggressivem, risikohaftem Autofahren, gesteigerter sexueller Aktivität und Promiskuität. Erhöhter Alkohol- oder Drogenkonsum
  • Körperliche Veränderungen wie nahezu kein Schlafbedürfnis mehr empfinden und extreme Energiesteigerung mit mehr Lust auf Lust

Die depressiven Phasen können in unterschiedlicher Intensität auftreten. Sie können leicht, mittelgradig oder schwer sein.

 

Die manischen Phasen können ebenfalls in unterschiedlicher Intensität auftreten. Sie können auch hypomanisch sein. Sie liegen dann unterhalb der Grenzschwelle zur Manie. Die manischen Phasen können aber auch diese Grenzlinie zur Manie weit überschreiten und psychotisch werden. Im Extrem können bei sehr intensiven manischen Phasen auch psychotische Symptome hinzukommen wie Größenwahn, Verfolgungswahn oder religiöse Wahnvorstellungen, z.b. die Welt retten zu müssen. Unvermittelte Aggression und Gewalttätigkeit können auftreten ebenso wie Halluzinationen, bei denen Stimmen gehört werden, die unmittelbar zum Betroffenen sprechen. Die Erregung und die Ideenflucht können so extrem sein, dass eine normale Kommunikation mit dem Betroffenen nicht mehr möglich ist.

 

Damit wird deutlich, dass nicht nur die Stimmungen bei diesen bipolaren Erkrankungen betroffen sind, sondern das ganze alltägliche, berufliche und private Zusammenleben mit anderen Menschen. Das Denken ist in den einzelnen Krankheitsphasen verändert, ebenso die Gefühle, die Körperreaktionen und das reale Verhalten. Das Leben kann oft nur noch schwer bewältigt werden. Abbruch der Berufstätigkeit und Verlust wichtiger sozialer Beziehungen sind nicht selten die Folge.

 

Menschen mit bipolaren Erkrankungen sind genauso krank wie Menschen mit anderen körperlichen Krankheiten. Die Erkrankung ist definitiv nicht selbstverschuldet, sondern in erheblichem Maß erblich bedingt. In Deutschland leiden etwa 4 Millionen Menschen an dieser Erkrankung.

 

Bipolare Störungen sind behandelbar!

 

Die Kombination aus medikamentöser Therapie und Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie bewirkt dabei nachweisbar die besten Ergebnisse.

Obwohl viele Aspekte dieser Erkrankung durch die Erbanlage bedingt sind, kann durch eine achtsame Gestaltung des Alltagsverhaltens die Ausbruchshäufigkeit und die Auftretensintensität der einzelnen Phasen ganz entscheidend beeinflusst werden. Diese Beeinflussungsmöglichkeiten sind die wichtigsten Ziele einer kognitiven Verhaltenstherapie. Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie werden daher folgende Ziele angestrebt:

  • die Achtsamkeit im Umgang mit den notwendigen Medikamenten zu erhöhen
  • die individuellen Frühwarnzeichen der Auslöser der einzelnen Krankheitsphasen kennenzulernen
  • lernen, mit diesen Frühwarnzeichen bewusster umzugehen, um sowohl manische als auch depressive Phasen erst gar nicht erneut zum Ausbruch gelangen zu lassen.
  • Unterstützung zu erhalten beim Aufbau des notwendigen regelmässigen Lebensrhythmus
  • Stressbewältigung
  • Depressionsbewältigung
  • Entspannungsfertigkeiten zu entwickeln
  • Schlafverhalten zu verbessern
  • Problemlösungsfähigkeiten verbessern zu lernen
  • die zwischenmenschlichen Beziehungen im persönlichen sozialen Netzwerk (wieder) zu verbessern und zu vertiefen

 

Hilfreiche Adressen:

Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen e.V. 

PF 920249

21132 Hamburg

www.dgps.de

 

Psychotherapeutensuche

www.psychotherapiesuche.de

www.psychotherapeuten-liste.de

www.bipol-art.de

 

Empfehlenswerte Bücher zur bipolaren Erkrankung:

  • Donna Reynolds: Der Bipolare Spagat: Manisch-depressive Menschen verstehen. Broschiert,
    2011 
    Trias Verlag 
  • Thomas Meyer: Ratgeber Manisch-depressive Erkrankung. Informationen für Menschen mit einer bipolaren Störung und deren Angehörige. Juli 2013, Hogrefe Verlag 
  • Peter Bräunig: Leben mit bipolaren Störungen. Manisch-depressiv: Wissen, das Ihnen gut tut.  
    2009, Trias Verlag