Burnout

Der Begriff Burnout scheint in sich selbsterklärend.

Wer für eine Sache gebrannt hat, kann irgendwann ausgebrannt sein.

 

Wer all seine Energie, seinen Enthusiasmus und seine Liebe in eine Sache gesteckt hat, mit jedem Schritt voran aber mehr und mehr Widerstand erfahren hat und am Ende möglicherweise mit leeren Händen, deprimiert und völlig erschöpft, alleine dasteht, für den scheint die Diagnose Burnout perfekt zu passen.

 

Eine genaue, wissenschaftlich verbindliche Definition liegt jedoch bis heute nicht vor.

 

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-10 finden wir Burnout nur als Zusatzdiagnose unter der Ziffer Z73.0.

Unter der Kapitelüberschrift: „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten führen“, wird Burnout bezeichnet als ein Problem, das verbunden ist mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung. Als nähere Erläuterung zur Ziffer Z73.0 wird angegeben, dass darunter „Ausgebranntsein“ oder der „Zustand der totalen Erschöpfung“ fallen. Als Grundlage für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung reicht diese Diagnose alleine nach geltendem Sozialrecht nicht aus.

 

Viele Autoren haben sich dennoch um eine Beschreibung dessen, was mit Burnout gemeint ist, bemüht.

 

Hier eine kleine Auswahl an Burnout Definitionsversuchen:

 

„Burnout ist ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders, wenn diese in Not sind oder Probleme haben“

(Christina Maslach, 1982 a)

 

„Burnout ruft gewisse Reaktionsweisen bei Individuen hervor, wie auch andere Formen von Stress sie verursachen. Wir haben aber eine sehr spezifische und abgegrenzte Art emotionaler Erschöpfung entdeckt, und zwar den Verlust positiver Empfindungen, den Verlust von Sympathie oder Achtung für Klienten oder Patienten beim professionellen Helfer“

(Maslach, 1978, S.56)

 

„Burnout ist ein Zustand physischer, emotionaler und mentaler Erschöpfung aufgrund langanhaltender Einbindung in emotional belastende Situationen“

(Ayala Pines & Elliott Aronson, 1988)

 

„Burnout ist ein Zustand der Ermüdung oder Frustration, herbeigeführt durch eine Sache, einen Lebensstil oder eine Beziehung, die nicht die erwartete Belohnung mit sich brachte“

(Freudenberger & Richelson, 1980)

 

„Burnout ist ein über Erwartungen vermittelter, arbeitsbezogener, dysphorischer und dysfunktionaler Zustand eines Individuums ohne stärkere psychopathologische Beeinträchtigungen, welches schon eine Weile lang angemessene Leistungen und affektive Reaktionen in derselben Arbeitssituation gezeigt hat, und das ohne Hilfe von außen oder Veränderung seiner Umweltbedingungen nicht wieder zu seinen früheren Standards zurückfinden wird“

(Brill, 1984)

 

„Burnout ist ein Prozess, in dem sich ein ursprünglich engagierter Mitarbeiter von seiner Arbeit zurückzieht, als Reaktion auf Beanspruchung und Belastung im Beruf“

(Cary Cherniss, 1980)

 

„Burnout ist ein fortschreitender Abbau von Idealismus, Energie, Zielstrebigkeit und Anteilnahme als Resultat der Arbeitsbedingungen“

(Edelwich & Brodsky, 1980)

 

„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler“ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung , einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“

(Schaufeli & Enzmann, 1998, S. 36)

 

„Burnout ist eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens – eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“

(Maslach & Leiter, 1997)

 

Vorbeugender "Brandschutz":

  • Stille, Meditation, Entspannung
  • Freundschaft mit sich selbst pflegen
  • Freundschaften pflegen ... with a little help from your friends ...
  • Bündnisse schmieden und pflegen
  • Zeit gut nutzen
  • Textpillen sammeln und zweimal täglich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen, z.B.: "Still sitzen, nichts tun, das Gras wächst, der Frühling kommt von alleine"
    "Ist das Werk geäußert, sich ihm entäußern"
    "So geht es, aber anders geht es auch"

 

Therapie des Burnout

Nach Diagnostik und Differenzialdiagnostik wird in jedem Einzelfall zu entscheiden sein, auf welche Einflussfaktoren der vorliegenden emotionalen und körperlichen Erschöpfung positiv eingewirkt werden kann:

  • Die Veränderung eigener Einstellungen
  • Die Veränderung eigenen Verhaltens in Stresssituationen
  • Die Behandlung vorliegender körperlicher Erkrankungen
  • Die Behandlung vorliegender psychischer Erkrankungen 
  • Die Veränderung der Arbeitsplatzsituation
  • Die Verbesserung der Partnerschaftssituation
  • Die Verbesserung der Selbstfürsorge

 

Hilfreiche Literatur

  • Bergner T. M. H.: Burnout Prävention, Schattauer, Stuttgart 2010
  • Burisch Matthias: Das Burnout – Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. Springer,
    Berlin 2010
  • Cherniss, C.: Jenseits von Burnout und Praxisschock. Beltz, Weinheim 1999
  • Freudenberger, H.& North, G.: Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins. Fischer, Frankfurt 2011
  • Hillert, A.: Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer. Kösel, München 2004
  • Hillert, A.; Marwitz, M.: Die Burnout Epidemie: Oder brennt die Leistungsgesellschaft aus? Beck, München 2008
  • Hoffman, N., Hofman, B.: Selbstfürsorge für Therapeuten und Berater, Beltz, Weinheim 2008 
  • Kabbat-Zinn, J.: Zur Besinnung kommen. Arbor, Freiamt 2010
  • Kaluza, G.: Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. Springer, Berlin 2011
  • Kottler, J.A.: Therapie-Tools Selbstfürsorge, Beltz, Weinheim 2011
  • Kowarowsky, G.,: Der schwierige Patient – Kommunikation und Patienteninteraktion im Praxisalltag, Kohlhammer, Stuttgart 2011
  • Kowarowsky, G.,: Individualisierte Burnout-Therapie (IBT). Kohlhammer, Stuttgart 2017
  • Maroon I.: Burnout bei Sozialarbeitern. OLMS, Hildesheim 2008
  • Maslach, C., Leiter, M.P.: Die Wahrheit über Burnout. Springer Wien 2001
  • Deckel, M.: Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout. 
  • Rowohlt TB Hamburg 2011
  • Seiwert, L.: Noch mehr Zeit für das Wesentliche. Ariston, München 2006
  • Seiwert, L.: Ausgetickt. Lieber selbstbestimmt, als fremdbestimmt. Abschied vom
  • Zeitmanagement. Ariston, München 2011
  • Schulz von Thun, F.: Miteinander reden I-III: Rowohlt, Hamburg, 2011

 

Die Seminare Burnout vermeiden und Burnout kompetent behandeln sind als Veranstaltungen buchbar. 

 

Sie können wählen zwischen

  • Zwei-Tages-Seminar
  • Ein-Tages-Seminar
  • Halb-Tages-Seminar
  • Zwei-Stunden-Seminar

Das Seminar ist bei den zuständigen Kammern als qualifizierte Fortbildung für Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten anerkannt. Fortbildungspunkte können mit der Teilnahme erworben werden.

 

Kontakt: praxis@kowarowsky.de