We need love not pain – Wir brauchen Liebe und keinen Schmerz.

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen haben KEINE Störung der Persönlichkeit - Sie haben lediglich ein stereotyp ungünstiges interaktionelles Verhalten auf der Basis negativer Selbstschemata, negativer Grundannahmen, negativer Überzeugungen.

Kowarowsky 2008 S.47

Essenz einer Persönlichkeitsstörung

1. Eine Person hat eine ungünstige Annahme von sich selbst, z.B. „Ich bin nicht wichtig“.

2. Daraus zieht sie eine Konsequenz, z.B. „um Aufmerksamkeit zu erlangen, muss ich andere aktiv dazu veranlassen, mich wahrzunehmen“.

Die Person entwickelt unoffene, manipulative Strategien, um dieses Ziel zu erreichen.

Sachse, 2006, S. 12

Persönlichkeitsstörungen entstehen in der Biographie einer Person als „Lösung“ für schwierige Interaktionssituationen. Daher sind Persönlichkeitsstörungen als normale psychische Prozesse aufzufassen, die aber leider zu kostenintensiven, dysfunktionalen Lösungen führen.

Sachse, 2006, S. 13

Klienten mit Persönlichkeitsstörungen nehmen oft wahr, dass sie hohe Kosten haben. Sie haben ständige Interaktionsprobleme, Konflikte, Stress am Arbeitsplatz, oder gesundheitliche Einbußen. Sie erkennen aber selten, dass diese Kosten durch ihre eigenen Schemata und Verhaltensweisen entstehen. Daher wissen sie oft nicht, dass sie „ein Teil des Problems sind“ und sie wissen deshalb auch oft nicht, wo sie ansetzen sollen, um das Problem zu lösen. Sie machen daher zumeist andere Personen oder Umstände für ihre Probleme verantwortlich, wodurch sich das Problem auch nicht ansatzweise lösen lässt.

Sachse 2006 S.23

Die Therapie der Persönlichkeitsstörung besteht darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner berechtigten Beziehungsmotive und seiner wirklichen Wünsche an den anderen bewusst zu werden.

Die Therapie der Persönlichkeitsstörung besteht auch darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner Grundannahmen bewusst zu werden - über sich selbst und die anderen.

Der Therapeut hilft dem Patienten dabei, die "Spiele" kennenzulernen, mit denen er die Beziehung zu anderen belastet, und er hilft ihm dabei, neue Wege zu gehen, um wieder befriedigendere Beziehungen zu sich selbst und anderen aufbauen zu können.

Von einer Persönlichkeitsstörung sollte jedoch nur dann gesprochen werden,

1. Wenn die betreffende Person selbst unter ihrer Persönlichkeit leidet

Und / oder

2. Wenn die Persönlichkeitsbesonderheit das Risiko der Entwicklung oder neuerlichen Verschlimmerung einer psychischen Störung beinhaltet, wenn also die Gefahr besteht, dass sich daraus z.B. eine Depression entwickelt, die Person an Suizid denkt oder dissoziiert, also immer wieder “neben sich steht“.

Und / oder

3. Das psychosoziale Funktionsniveau so verändert ist, dass Konflikte mit Ethik, Recht oder Gesetz entstanden sind.

nach Fiedler, 2007 S.34

Ansonsten handelt es sich lediglich um Persönlichkeitsstile oder sogenannte akzentuierte Persönlichkeiten.


Die bekanntesten Persönlichkeitsstörungen sind die:

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Mangel an Empathie und Überempfindlichkeit bei Kritik.

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Oberflächlich und emotionalisierend, liebt es im Mittelpunkt zu stehen.

Dependente Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Ein tief greifendes und überstarkes Bedürfnis, versorgt zu werden, das zu unterwürfigem und anklammerndem Verhalten und Trennungsängsten führt.

Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Schüchternheit und fehlende soziale Kompetenz. Zeigt Zurückhaltung in intimen Beziehungen aus Angst vor Kritik, Nichtzustimmung oder Zurückweisung.

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Passiv, widerständig und aggressiv.Grundeinstellung: „Was ich will das kriege ich nicht, was ich kriege, das will ich nicht!“ Typische „Ja-ABER“-Haltung.

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Soziale Isolation, Einsamkeit. Wünscht weder, noch freut sich über enge Beziehungen, einschließlich Teil einer Familie zu sein.

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Fanatisch, querulatorisch, rechthaberisch. Der Patient vermutet ohne ausreichende Grundlage, dass andere ihn ausnützen, schädigen oder täuschen könnten.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Rigidität und starrer Perfektionismus, der die Erfüllung von Aufgaben behindert.

Depressive Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Dauerhaft hoffnungslos und selbst abwertend.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Identitätsstörungen, Störungen der Affektkontrolle, Schwarz-Weiss-Denken. Heftiges Bemühen, reales oder vorgestelltes Verlassenwerden zu vermeiden.

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Soziales Unbehagen, Verzerrungen im Wahrnehmen und Denken. Seltsames Denken und Sprachverhalten: das Verhalten oder die Erscheinung (das Auftreten) sind seltsam, exzentrisch oder »komisch«.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Kernmerkmal: Fehlende Schuldgefühle, Störungen der Impulskontrolle. Mangelnde Empathie, das Ignorieren von sämtlichen sozialen Regeln.

Empfehlenswerte Bücher zum Verständnis von Persönlichkeitsstörungen:

• Beck, A.T., Freeman, A.: Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen, Beltz, Weinheim, 1999
• Fiedler, P.: Persönlichkeitsstörungen. Beltz, Weinheim, 2007
• Herpertz, S.C., Saß, H.: Persönlichkeitsstörungen. Stuttgart: Thieme 2003
• Kowarowsky, G.,: Der schwierige Patient - Kommunikation und Patienteninteraktion im Praxisalltag,
Kohlhammer, Stuttgart 2005
• Merod, R.: Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, dgvt-Verlag 2005
• Sachse, R.: Persönlichkeitsstörungen. Hogrefe, Göttingen 2004
• Sachse, R.: Persönlichkeitsstörungen verstehen - zum Umgang mit schwierigen Klienten. Psychiatrie-Verlag 2006
• Trautmann, R.-D.: Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen. Pfeiffer, Stuttgart 2004


Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie auch auf www.stoerung-der-persoenlichkeit.de.

Persönlichkeitsstörungen

Dipl.-Psych. Gert Kowarowsky | Psychologischer Psychotherapeut
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